Neue Massstäbe
Generalkonsul Bubb sagte, die Crew habe mit der Überfahrt neue Massstäbe gesetzt für den Einsatz von Sonnenenergie. Diese Leistung stehe stellvertretend für eine in Forschung und Bildung innovative Schweiz. Diese Themen stehen auch im Zentrum von «ThinkSwiss», der diesjährigen Kampagne von Präsenz Schweiz in den USA. Im Oktober 2006 war die sun21 in Basel gestartet. Am 3. Dezember verliess der Katamaran das europäische Festland. Am 2. Februar, nach 29 Tagen Fahrt über den offenen Atlantik, erreichte er die Karibik-Insel Martinique. Von dort setzte die sun21 die Reise nach Miami und dann entlang der US-Küste nach New York fort. Die Reise verlief insgesamt ohne grössere Pannen. Der Wettergott meinte es grundsätzlich ebenfalls gut, auch wenn die Seefahrer teilweise auf raue See und bis zu sieben Meter hohe Wellen trafen. Der Skipper Michel Thonney, der Bootsbauer Markus Wüst, der Meeresbiologe David Senn, der Arzt Martin Vosseler und der Historiker Beat von Scarpatetti dankten denn neben ihren Gönnern, ohne die das Projekt nicht zu Stande gekommen wäre, auch der Sonne.
Potenzial bewiesen
Ziel der Atlantik-Überquerung war es, auf das Potenzial hinzuweisen, das die Solarenergie für die Schifffahrt hat. «Und das ist uns gelungen», sagte Martin Vosseler. «Wir wollten im Kleinen beweisen, was auf globaler Ebene gemacht werden muss, wenn wir den drohenden Klimakollaps abwenden wollen.» Man dürfe sich keinesfalls dem Fatalismus hingeben. Es brauche aber viel kreatives Denken und mutige Aktionen, um den sauberen Energien zum Durchbruch zu verhelfen.
Kraftwerk Sonne nutzen statt AKW
«Denn die Nuklear-Energie ist keine Lösung», sagt Vosseler gegenüber swissinfo. «Aber mit der Sonne haben wir in sicherer Distanz von der Erde ein unglaublich potentes Kraftwerk, das es zu nutzen gilt.» Die Solarenergie biete auch zahlreiche Chancen für wirtschaftliche Entwicklung. «Verpassen Sie diese Chance nicht», ist denn auch Vosselers Botschaft an Politiker und Politikerinnen - in der Schweiz und weltweit.
Gute und schlechte Nachrichten
Der Meeresbiologe David Senn nutzte die Fahrt über den Atlantik für Studien. «Ich habe eine faszinierende Vielfalt von Mikro-Organismen vorgefunden. Das ist ganz wichtig, denn alles Leben hängt vom Plankton ab, den Mikro-Organismen», so Senn gegenüber swissinfo. Weniger gut sieht es hingegen mit Walen und Delphinen aus, je weiter westlich das Schiff kam. «Ein klares Zeichen der Überfischung.» Auch der im Meer herumtreibende Abfall sei ein schwerwiegendes Problem. Die Crew nimmt in New York noch an mehreren Anlässen im Zusammenhang mit Energiefragen teil. Die Schweiz organisiert dazu im Rahmen der Sitzung der UNO-Kommission für nachhaltige Entwicklung eine Gesprächsrunde.
(swissinfo, Rita Emch, New York, 9. Mai 2007)
SUN21
Während der Atlantik-Überquerung vom europäischen Festland bis Martinique produzierte das Boot rund 2000 Kilowattstunden Solarenergie. Das vierzehn Meter lange und sechs Meter breite Schiff ist mit Solarzellen, Batterien und Elektromotoren ausgerüstet. Es kommt ganz ohne Treibstoff aus. Das Boot fährt praktisch geräuschlos und ist im Unterhalt äusserst bescheiden. Die sun21 funktioniert auch ohne Sonnenlicht. Fotovoltaik-Anlagen reicht Tageslicht zur Stromproduktion. Zudem wird die Hälfte der produzierten Energie in Batterien gespeichert. Nachts fährt der Katamaran mit Batterie-Strom. Bei anhaltender Bewölkung wird jeweils das Tempo reduziert. Höchstgeschwindigkeit: 9 Knoten (etwa 16,5 km/h), Durchschnitts-Geschwindigkeit 5 bis 6 Knoten (etwa 10-12 km/h). Gebaut hat das Boot die Firma MW-Line bei Yverdon VD. Schiffe mit derselben Konstruktion waren während der Schweizer Landesausstellung Expo.02 auf den Juraseen im Einsatz.
FAKTEN
- Insgesamt kostete der Bau der sun21 etwa 900'000 Franken.
- Das Boot dürfte mit seiner Reise einen Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde erzielen.
- Es kehrt nun auf einem Frachter nach Europa zurück und geht dann an den WWF Madrid, der es für Umweltprojekte nutzen will.
- Finanziert wird das Projekt sun21 auf privater Basis vom eigens dafür gegründeten Verein Transatlantic21 und einigen weiteren Sponsoren.
Forschung 
