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Basel: Euler - ein Mathematik-Genie

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Der vor 301 Jahren in Basel geborene Gelehrte Leonhard Euler, einer der grössten Schweizer Wissenschafter, hinterliess mit seinem Werk viel mehr Spuren, als allgemein bekannt. So wissen wohl nur wenige Nicht-Mathematiker, dass Eulers Ideen genauso hinter dem ausgeklügelten Fahrplan der SBB stecken, wie hinter dem Erfolg der Jacht Alinghi oder dem Zahlenrätsel Sudoku.
Heute werden seine Formeln für Anwendungen genutzt, von denen viele im 18. Jahrhundert unvorstellbar gewesen wären, so etwa die Verschlüsselung von Internetdaten. Euler gilt als der bedeutendste Mathematiker des 18. Jahrhunderts und einer der grössten Wissenschafter überhaupt. Er hatte eine erstaunliche Fähigkeit, Fragestellungen in ihre elementaren Bereiche zu zerlegen und abstrakte Formeln zu finden, die schliesslich halfen, auch für praktische Probleme Lösungen zu finden.

Die Grundlage heutiger Navigationssysteme

Ein Beispiel, Eulers Antwort auf das Königsberger Brückenproblem: Gibt es einen Rundweg, der durch alle Bezirke von Königsberg (Kaliningrad) führt und die sieben Brücken der Stadt nur je einmal nutzt? Gibt es nicht, sagt Euler und entwickelte aufgrund seiner Antwort die Graphentheorie. Diese wird heute in vielen Bereichen genutzt, sei es zur Optimierung von Fahrplänen, bei Navigationssystemen oder in der Logistik. Euler war ein Universalgenie, neben Fragen der Mathematik befasste er sich unter anderem mit Physik und Astronomie, machte sich Gedanken zum Brücken- oder Schiffsbau, zur Berechnung von Flugbahnen und der Codierung von Information.

Auch hinter Sudoku steckt Euler

Auch hinter dem Zahlenrätsel Sudoku steckt Euler: Das Ur-Sudoku ist Eulers so genanntes lateinische Quadrat, ein magisches Quadrat mit schier unzähligen Zahlenkombinationen. Euler war das Kind eines Pfarrers und interessierte sich schon in jungen Jahren für die Welt der Zahlen. Dennoch nahm er 1720 sein Theologie-Studium an der Universität Basel auf, wo Mathematik damals nur in den unteren Semestern gelehrt wurde. Zu Eulers Glück war Basel aber auch die Heimat der Mathematiker-Dynastie der Bernoullis. Und die Mathematik-Vorlesungen gab Johann Bernoulli. Dieser erkannte rasch einmal die ausserordentlichen Fähigkeiten Eulers und förderte diesen auch mit Privatunterricht.

Basel, St. Petersburg, Berlin

1727 sorgte Euler mit einem Beitrag für ein Preisausschreiben der Akademie von Paris erstmals international für Aufmerksamkeit. Es ging um die günstigste Bemastung von Schiffen. Für seinen Beitrag wurde er mit dem zweiten Preis ausgezeichnet
Noch im gleichen Jahr, nachdem er sich erfolglos um eine Professoren-Stelle in Basel beworben hatte, verliess Euler seine Heimatstadt und folgte seinen Freunden Daniel und Niklaus Bernoulli, den Söhnen seines Mentors, an die neue Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg.
Dort blieb er bis 1741 und folgte dann einem Ruf Friedrichs des Grossen an die Berliner Akademie der Wissenschaften. Nach 25 Jahren in Preussen kehrte Euler schliesslich 1766 nach Petersburg zurück, wo er bis zu seinem Tode 1783 blieb.

Bahn brechende Arbeiten

Euler war äusserst produktiv: Insgesamt gibt es fast 900 Publikationen von ihm. Ebenso erstaunlich ist die Bandbreite seiner Interessen.
Obschon er bereits mit 31 auf einem Auge erblindete und mit 59 Jahren praktisch völlig blind war, veröffentlichte er sein Leben lang Bahn brechende Arbeiten und Bücher. Bis zu seinem Tod 1783 stand er in Briefwechsel mit andern Gelehrten in ganz Europa.
Euler war ein Mathematikgenie, aber er wandte sich nicht nur an andere Mathematiker, sondern hatte eine Leidenschaft, sein Wissen auch anderen Berufszweigen und Laien nahe zu bringen.

Wissen für alle

In seinen Lehrbüchern verstand er es, wissenschaftliche Thesen verständlich zu formulieren. Viele mathematische Symbole, wie Pi, das heute als selbstverständliche Grösse wahrgenommen wird, wurden durch Euler popularisiert.
Sein populärwissenschaftliches Werk «Brief an eine deutsche Prinzessin», ursprünglich für eine Nichte des preussischen Königs geschrieben, wurde zum Bestseller, in dem Euler die Grundzüge der Physik, Mathematik, Astronomie, Philosophie und Theologie vermittelt.
Euler wurde nicht nur wegen seines genialen Geistes bewundert, sondern auch wegen seiner Freundlichkeit und Bescheidenheit. «Ein Kind auf den Knien, eine Katze auf dem Rücken, so schrieb er seine unsterblichen Werke», erklärte einer seiner Berliner Zeitgenossen.

Der verlorene Sohn

Dieser Universalgelehrte kehrte zwar nach 1727 nie mehr in die Schweiz zurück, doch in seinem Herzen blieb er bis zu seinem Lebensende Basler: Er blieb in Kontakt mit dem informellen Basler Zirkel von Mathematikern, liebte es, Basel-Deutsch zu sprechen und sorgte dafür, dass seine Familie Basler Bürgerrechte hatte.

swissinfo, Julia Slater, 11. April 2007 (Übertragung aus dem Englischen: Rita Emch. Leicht angepasst durch Switzerland.com im Januar 2008).

Bildlegende: Wieso besteht der klassische Ball beim Fussball aus Sechsecken und Fünfecken? Die Formel dazu kommt von Euler. (imagepoint)