HomeStaatOrganisationDownloadsForschungGeografiePorträt Schweiz Kultur StoriesMedia CornerLeuteKontaktWussten SieNewsIcon-RoadshowGastgeber

Schweizer Musik ist (k)ein Exportartikel

Kultur
Listen-Ansicht
 
Popmusik gehört nicht eben zu den bekanntesten helvetischen Exportartikeln. «Swiss Music Export» (SME) will dies ändern und Schweizer Musikern zu mehr Erfolg auf ausländischem Parkett helfen. Hinter dem SME stehen verschiedene Kulturakteure, u.a. die Kulturstiftung Pro Helvetia.
Schweizer Schokolade und Käse sind überall auf der Welt ein Begriff. Bei Schweizer Musik hingegen kommen den meisten allenfalls Jodeln und Alphornblasen in den Sinn.

Zwar gibt es einige zeitgenössische Musiker und Gruppen, die im Ausland erfolgreich sind, denken wir nur an Stephan Eicher, DJ Bobo, Andreas Vollenweider, Krokus, Yello oder Gotthard. Für die meisten aber bleibt der Sprung über die Landesgrenze hinaus ein ferner Traum.

Vor allem Mundart-Produktionen hätten keine Chance auf Erfolg im Ausland, sagt Philippe Cornu, Veranstalter des Berner Gurtenfestivals. gegenüber swissinfo. "Wir müssen uns dem internationalen Standard anpassen können.»

Kleines Startkapital – grosse Ziele

Der neue Verein Swiss Music Export (SME) will dem Schweizer Musik-Business Auftrieb geben. Der SME, bestehend aus Pro Helvetia, der Organisation für Musikrechte Suisa, dem Migros-Kulturprozent und der welschen Fondation CMA, will die Schweizer Popszene im Ausland bekannter machen.

Laut SME-Direktor Marc Ridet sollen jährlich rund 20 Schweizer Gruppen vom bescheidenen Startbudget von 200 000 Franken profitieren. Ridet hofft, dass sich künftig auch die Schweizer Musikszene beteiligen wird.

SME will in seinem Startjahr an rund 10 Festivals und Messen diversen Schweizer Gruppen aus den Bereichen Rock, Rap und Electronica zu Auftritten verhelfen. Geografisch beschränkt sich der SME erst einmal auf Deutschland, Frankreich und England.

Auch andere Länder hätten solche Projekte auf die Beine gestellt, betont Ridet gegenüber swissinfo: «Sogar die Engländer, die in diesem Business stark sind, haben vor kurzem beschlossen, in New York ein Export-Büro zu eröffnen, um ihren Absatz in den USA zu steigern.»

Kampf um Marktanteile

Der Berner Philippe Cornu gibt sich eher skeptisch gegenüber dem künftigen Erfolg von SME, auch wenn er jede Anstrengung zur Promotion der Schweizer Szene unterstützt:

«Wahrscheinlich funktioniert der SME auf idealistischer Basis. Um Gewicht zu erhalten, müsste das Business noch viel mehr mit einbezogen werden.»

Rund 50 Schweizer Gruppen hätten das Potenzial für eine erfolgreiche Karriere auch im Ausland, schätzt Philipp Schnyder von Wartensee vom Migros-Kulturprozent. Es brauche aber ein gutes Marketing sowie eine starke Präsenz an internationalen Festivals und Messen.

So waren an der diesjährigen Musikmesse Midem in Cannes (19. – 23. Januar) 49 Aussteller aus der Schweiz dabei, darunter auch SME.

Emotionaler Zugang ist wichtig

Laut Gurtenfestival-Chef Cornu gibt es in Deutschland, England, Frankreich, Spanien, Italien, ja überall, gute Bands. «Es muss jemand herausragend gut sein, um in diesem grossen Markt bestehen zu können. In dieser Flut von Produktionen ist es ausserordentlich schwierig, sich bemerkbar zu machen.» 

Schweizer Musikschaffen zu fördern, heisse vor allem eins, so Cornu: «Die Bands spielen zu lassen, Plattformen zu kreieren, damit diese Gruppen sich einem breiten Publikum im Ausland zeigen können.» 

swissinfo, Gaby Ochsenbein (25. Januar 2003)

KONTEXT

Der Umsatz der Musikbranche sank 2002 weltweit um schätzungsweise 9%.
Als Grund für die negative Entwicklung geben die Verbände u.a. die zunehmende Zahl von Raubkopien an.

FAKTEN
  • SME besteht aus Pro Helvetia, Suisa, Migros-Kulturprozent, Fondation CMA.
  • Präsidentin von SME ist SP-Nationalrätin Anita Fetz.
  • SME hat für 2003 200'000 Franken zur Verfügung.